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Aktuelles Stück

Dree Herrn

...eine Flasche Korn und eine Fleischwurst!

Komödie von Jan Ericson

Niederdeutsch von Renate Wedemeyer

Am Heiligabend schließt die Reinigungskraft eines Kaufhauses irrtümlich drei Herren auf der Männertoilette ein. Diese sind nun gezwungen , die Feiertage dort zu verbringen. Ohne Kontakt zur Außenwelt, im Funkloch und auf engstem Raum mit den Kollegen , sind sie darauf angewiesen, die kommenden Tage irgendwie zu überleben, bis das Kaufhaus seine Pforten wieder öffnet. Schicksalhafte Allianzen, Konkurrenzdenken, Überlebensinstinkte, Verbrüderungen und eine Fleischwurst machen diesen Theaterabend über die menschlichen Abgründe zu einem herrlichen Angriff auf die Lachmuskeln und sind ein exzellentes Rezept für einen fröhlichen Theaterabend gegen trübe Vor-und Nachweihnachtstage. 


 

Besetzung

Regie: Wolfgang Benninghoven
Spieler: Torsten Bannow, Roland Gabor, Wolfgang Benninghoven
Bühnenbild: Moritz Schmidt, Eva Knüppel 
Souffleuse: Gabi Alwert

Pressestimmen

Amüsanter Abend mit „Dree Herrn“

Viel Beifall am Donnerstag für die Premiere der Niederdeutschen Bühne Lübeck

Lübecker Nachrichten, 27.11.2021
von DOROTHEA KURZ-KOHNERT

LÜBECK. Mit der Komödie „Dree Herrn" von Jan Ericson eröffnete die Niederdeutsche Bühne Lübeck ihre Spielzeit in den Kammerspielen des Theaters Lübeck und feierte eine erfolgreiche Premiere. Bevor sich der Vorhang öffnete betrat die Leiterin Kirsten Mehrgardt die Bühne und teilte mit, dass Hans-Gerd Willemsen, einer der Spieler, erkrankt sei und dass „Speelbass" Regisseur Wolfgang Benninghoven seine Rolle übernommen habe - Applaus. Das Spiel konnte beginnen.
Ort der Handlung: eine Männertoilette in einem Kaufhaus. Fatalerweise wurden dort drei Personen eingeschlossen - und das an Heiligabend. Geschäftsführer Karl-Heinz Bruns (Wolfgang Benninghoven), Stefan Riemer, Verkäufer aus der Sportabteilung (Roland Gabor) und der Lagerarbeiter Reinhard Dahlmann (Torsten Bannow) müssen sich mit dieser ausweglosen Lage arrangieren. Denn eine muntere Ansage aus dem Off macht nach einem Popourri aus Weihnachtsliedern klar: Das Kaufhaus wird erst nach Weihnachten am 27.Dezember um 9 Uhr wieder seine Pforten öffnen.
Jeder der „Dree Herrn" entwickelt seine eigene Strategie, um diesen Alptraum zu überstehen: Jeder versucht, seine Ordnung aufrecht zu erhalten, was in dieser Situation auf dem Männerklo absurd und urkomisch ist. Stefan Riemer ist Aushängeschild für seine Abteilung: Spieler Roland Gabor steckt in sportlicher Kleidung, trägt Käppi und hat sein Skateboard dabei. Er macht Aufwärmübungen. Gabor gibt überzeugend den ständig nervösen Typ, denn wie sich am Ende herausstellt, hat er tatsächlich etwas zu verbergen.
Geschäftsführer Karl-Heinz Bruns in Schlips und Kragen, mit Stockschirm und Aktenköfferchen, will auch auf dem WC den Chef rauskehren, was für Komik und Lacher sorgt. Benninghoven verkörpert diesen Charakter bis hin zu Stimmlage und Sprachduktus mit Perfektion, entfaltet ein facettenreiches Spiel zwischen autoritärem Gebaren, loyaler Herablassung und menschlichen Schwächen. Betrunken torkelt er nach nach dem weihnachtlichen Festmahl mit Wurst, trockenem Brot und reichlich Korn in seine Kabine. Die Rolle ist ihm sichtlich in Fleisch und Blut übergegangen, denn er hat sie am Theater Combinale mehr als zehn Jahre immer in dem Publikumshit „Herren" in der Vorweihnachtszeit gespielt.
Das Weihnachtsessen hatte der Lagerarbeiter Reinhard Dahlmann spendiert. Torsten Bannow spielt souverän den scheinbar Gutmütigen mit Weihnachtspullover, der sich freut, die Festtage nicht alleine verbringen zu müssen. Doch unter der Oberfläche brodelt es: Er nimmt seinem Chef übel, dass der in ihn von seiner geliebten Spielzeugwarenabteilung ins Lager versetzt hat. Diese spürbare unterschwellige Aggression entlädt sich in dem sadistischen Spiel „Schinkenklopfen": Da verbünden sich die beiden Angestellten und dürfen ihrem Arbeitgeber mal ungestraft so richtig in den Hintern treten.

Wolfgang Benninghovens Inszenierung betont das Komödiantische, hat viele Gags parat, ist unterhaltsam und heiter, aber sie lässt auch immer wieder ernstere Themen durchschimmern wie Einsamkeit, Konkurrenzdenken und Machtstreben. Die Aufführung, der noch viele Zuschauer zu wünschen sind, wurde vom Premierenpublikum mit langanhaltendem Beifall bedacht.